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Austrian Superheroes #2: Eine Einführung in die Psychoanalyse

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Der zweite Einsatz der Austrian Superheroes ist durch den Konflikt zwischen Captain Austria Jr. und seinem Vater überschattet. Auf zweierlei Weise erfährt der Leser die Hintergründe dieses aus der Literatur bekannten und nunmehr in der Welt des Comics angekommenen Motivs des Vater-Sohn-Konflikts. Zunächst sucht der Junior seinen alten Herrn auf, um ihn um Hilfe gegen den Psychoterror des gefürchteten Dr. Phobos zu bitten, der seine Opfer mit ihren eigenen Urängsten konfrontiert, ehe er sie ausraubt. Doch der Senior erteilt dem verunsicherten Streben nach Selbstständigkeit seines Sohnes eine barsche Abfuhr. Lieber rette er selbst (noch einmal) die Welt, als seinem Sohn und seinen dilettantischen Freunden den Schlüssel zum Erfolg zu überlassen. Dieser Schlüssel ist nicht nur im übertragenen Sinne, sondern als Artefakt vorhanden: Es geht um den Zugang zur größten technologischen Errungenschaft des Westens, einem geheimen Labor, in dem sozusagen  Supermänner hergestellt werden. Das erfährt man in einer zweiten Story, die den Ursprung von Captain Austria Sen. in einer Art Rückblende erläutert.

In der Hauptgeschichte bleibt Captain Austria Jr. vorerst auf sich allein gestellt. Im Bestreben sich selbst zu behaupten und sich von seiner belastenden familiären Situation, also dem nachteiligen Machtverhältnis zum Vater, zu lösen, stellt er sich Dr. Phobos und wird prompt mit Episoden aus seiner Kindheit und Jugend konfrontiert. Nach dem Wunsch des Vaters sollten die Kinder abgetrieben werden, die Mutter hat sich aber, was das betrifft, gegen den Superhelden durchgesetzt. Der Einfluss der Frauen und Mütter spielt also auch hier, wie so oft, eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Dann wird auch noch der Wunsch des jungen Kurt – so heißt Captain Austria Jr. tatsächlich – wie sein Vater Superheld zu werden im Keim erstickt. Diese von Dr. Phobos aus dem Unterbewusstsein ans Tageslicht hervor geholten Erinnerungen sind in einem einzigen Panel dargestellt. Umrahmend sind die Tränen: Der von Dr. Phobos drangsalierte Captain Austria Jr. der Gegenwart imaginiert sich als weinendes Kleinkind, spielender Knabe und enttäuschter Jugendlicher, ehe er neuerlich mit Tränen in den Augen vom siegreichen Gegner ähnliche Schmähworte wie vom Vater ertragen muss. Die Aussichtslosigkeit scheint vorgezeichnet, die Tragweite des Konfliktes zwischen Vater und Sohn zu enorm.

Völlig unerwartet kommt es aber dennoch zu einer Aussöhnung. Captain Sen. ist vom Teamwork der vier Austrian Superheroes derart begeistert, dass er sich zur Weitergabe des ersehnten Zugangsschlüssels bereit erklärt. Ein Plädoyer für die Zweck-Gemeinschaft also, aber eine Absage für die Familie, die in der einen oder anderen Auffassung (Nietzsche?) auch nichts anderes als Zweckgemeinschaft ist.

Die zweite Geschichte zeigt die Genese des Ur-Captain Austria. Durch die Farbgestaltung des Hintergrundes und die Grobkörnigkeit der Zeichnungen wird man auch formal in die Vergangenheit transferiert. Alfred Kogler irrt durch das Nachkriegs-Wien und wird vom amerikanischen Geheimdienst kurzerhand zum Superhelden auserkoren und folglich ausgebildet, allerdings nicht, bevor er von den bösen russischen Soldaten seiner Uhr beraubt wurde. Merkwürdiges Detail: Alfred Kogler hat eine KZ Häftlingsnummer am Unterarm tätowiert. Was es damit auf sich hat und wieso der, der jetzt eigentlich bald 100 Jahre alt sein müsste, einen studierenden Sohn in der Gegenwart hat, wird sicherlich in den nächsten Heften verraten.

Links:

http://www.austriansuperheroes.com

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1 Kommentar

  1. […] Augenblick (zu Heft 2) […]

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