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Austrian Superheroes #3. Metamorphosen

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Metamorphosen

Verwandlungen in einem Superheroes-Comic sind gattungsspezifische Notwendigkeit. Irgendwie muss sich schließlich irgendjemand in den Superhelden mit übermenschlichen Kräften und außergewöhnlichen Fähigkeiten verwandeln. Captain Austria Jun., zivil ein durchschnittlicher Student, besitzt offenbar die Gabe, sich selbst in den Superhelden und wieder zurück zu verwandeln, wie es ihm gefällt. Diese Möglichkeit der Autometamorphose, also der Selbstverwandlung, in einen Superhelden und auch der ebenfalls im eigenen Ermessen liegenden Rückverwandlung, mag zwar der Wunschtraum jedes männlichen Heranwachsenden mit Kindheitstrauma sein, ist aber nicht der Regelfall. Regelfall natürlich innerhalb der Fiktion, die eine Metamorphose thematisiert. Nur der Wunschtraum kommt auch in der realen Welt vor. Wie auch immer. Bei fiktionalen Metamorphosen kann man sich immer fragen, wer wen warum in was verwandelt. Sind es bestrafende Götter (Antike), transzendente Schicksalsmächte (Märchen) oder ungenannte Mächte (Kafka), die eine Verwandlung vornehmen? Um welche Art der Verwandlung handelt es sich? Um eine Bestrafungsverwandlung für ein Vergehen oder um eine sog. Entzugsverwandlung als Rettungsmöglichkeit aus drohender Gefahr? Welches Verbrechen wurde im Falle der Bestrafungsverwandlung begangen?

Degradierung des Menschlichen ins Tierische

Diese Fragestellungen beinhalten die Möglichkeiten dessen, was mit dem Bruder von Lady Heumarkt passiert ist, der, wie sich in Heft 3 herausstellt, als Basilisk sein Dasein fristen muss. Diese Art der Metamorphose, also in ein derartiges Monster, mag wohl kaum freiwillig vollzogen worden sein, wie es ja auch aus Kafkas Verwandlung bekannt ist, in der Gregor Samsa völlig unvermittelt als „ungeheures Ungeziefer“ erwacht. Bemerkenswert ist in beiden Fällen die Verwandlung in etwas Tierisches, gleichsam in eine „Gestalt der Erniedrigung des Menschlichen“. Das funktioniert, wenn wir „das Tierische als etwas Herabsetzendes, Ungeistiges aufnehmen“, als „Bezeichnung des Üblen, Schlechten, Geringgeschätzten, Natürlichen und Ungeistigen“ gebrauchen (Hegel, Ästhetik). Insofern liegt nahe, dass es sich um eine Strafmetamorphose handeln könnte und wir dürfen gespannt darauf warten, was der Unglückselige angestellt hat, um als Basilisk zu enden, wie er erlöst werden könnte und welche Mächte dahinter stecken.

Nebenbei bemerkt ist die Verwandlung ins Tierische kulturgeschichtlich nicht immer zwangsläufig mit einer Degradierung verknüpft, man denke an die heilige Tierverehrung der alten Ägypter. (ebenfalls Hegel, Ästhetik)

Erlösung durch Menschlichkeit

Eine kurze Rückverwandlung gab es ja bereits, sonst wüssten weder Leser noch Lady Heumarkt von diesem Sachverhalt. Lady Heumarkt drischt nämlich dem Ungeheuer derart massiv und wiederholt auf den Kopf, dass es sich innerhalb von sieben Panels (wenn ich mich nicht verzählt habe) in Menschengestalt verwandelt. Kaum erkennt Lady Heumarkt ihren Bruder, hält sie verdutzt inne und den ganz offensichtlich unter seinem Zustand Leidenden in ihren Armen. In einem einzigen Panel verwandelt er sich wieder zurück in den Basilisken. Ausgerechnet exzessive Gewalt, in zivilisierten Kreisen kaum als Problemlösungsmittel akzeptiert und folglich eher im Bereich des Unmenschlichen anzusiedeln, lässt, wenn auch nur kurz, das Menschliche durchbrechen. In dieser Lesart haben wir es mit einer Form von Gewaltverherrlichung als menschlicher Existenzbedingung zu tun. Bei Kafka könnte die Schwester ihren zum „ungeheuren Ungeziefer“ verwandelten Bruder durch Mitgefühl und Anteilnahme möglicherweise erlösen und in einen Menschen zurück verwandeln, unterlässt es aber und fordert gar den Ausschluss aus der Familie. Wie wird wohl Lady Heumarkt handeln?

Links:

http://www.austriansuperheroes.com

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1 Kommentar

  1. […] Augenblick (zu Heft 3) […]

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